Kurz vor Moos machten wir eine kleine Vesperpause.
Wir pilgern in Etappen nach Santiago de Compostela und starteten 2014 zuhause in Nürnberg. Von dort aus ging über Ulm nach Konstanz, 2015 von dort bis Genf. 2016 ging es nach Le Puy und 2017 bis nach Moissac. 2018 nach Pamplona, 2019 setzten wir unseren Weg bis Leon fort und wollten 2020 in Santiago ankommen, doch Corona machte uns einen Strich durch die Rechnung. Nach zwei Jahren Verzögerung brechen wir im Mai 2022 zur letzten Etappe auf. In diesem Blog sind alle unsere Erlebnisse nachzulesen.
Samstag, 16. Mai 2015
Im Tösstal (um vorherige Posts von dieser Tour zu lesen bitte auf "ältere Posts" klicken)
Der Weg ging anfangs viel an der Straße entlang. Abschnitte auf Wegen wie diesem waren leider selten.
Aufbruch nach Rapperswil
zum Frühstück gingen und wir davon wach wurden, kamen auch wir heute eine halbe Stunde früher weg. Nach einem leckeren Frühstück verabschiedten wir uns von Karin. Sie hat jedem von uns ein kleines Schächtelchen mitgegeben, in dem ein Segenswunsch ist.
Das Wetter ist etwas besser als gestern, es regnet zumindest nicht.
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| Der Hof von Karin und Marcel war unsere Pilgerunterkunft |
Freitag, 15. Mai 2015
Geschafft....
... im wahrsten Sinne des Wortes. 28 Kilometer bei Dauerregen sind kein Zuckerschlecken. Gegen 18:30 erreichen wir unsere Unterkunft bei Fam. Gafner in Steg, wo wir herzlich empfangen werden. Wir stellen unsere nassen Schuhe in die Küche und stopfen sie mit Zeitungspapier aus. Rösti und Bratwurst (hatten wir das nicht gestern auch schon?) wecken unsere Lebensgeister wieder. 4 Jungs aus Ulm, die auch auf Pilgertour sind und hier übernachten, haben es sich einfacher gemacht: Sie sind die Etappe von Tobel nach Steg mit der Bahn gefahren.
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| unser Pilgerzimmer |
Rast im Kloster Fischingen
Wir erreichen tropfnass das Kloster. Wir dürfen dort das Bierstüberl nutzen, um uns aufzuwärmen und Brotzeit zu machen.
Heilige Idda
Der Legende nach werden die Schmerzen und Blessuren an den Füßen der Pilger gelindert, wenn sie diese in einen Schacht unterhalb des Grabmals der Hl. Idda halten. Wir haben es ausprobiert. Ob es funktioniert hat ? Wir werden sehen.
Es regnet in Strömen
Seit zweieinhalb Stunden laufen wir durch strömenden Regen. Jetzt haben wir uns bei einem Supermarkt mit Brotzeit eingedeckt. Es wird wohl noch den ganzen Tag so bleiben
Aufbruch zum zweiten Tag
An diesem schönen Kreuz verabschiedeten wir uns von Fredi, mit dem wir ein paar schöne Stunden verbracht haben. Um 9.15 Uhr machten wir uns bei strömendem Regen auf den Weg.
Regen
Der Blick aus dem Fenster verheißt nichts gutes: Es regnet und ist kalt, wie angekündigt. Auf dem Hörnli, welches wir heute überschreiten werden, hat es gerade mal 4 Grad.
Donnerstag, 14. Mai 2015
Gemütliches Beisammensein
Fredi bereitete uns ein leckeres Abendessen mit OLMA-Bratwurst und Rösti.
Es war ein sehr schöner Abend. Fredi erzählte viel und schenkte uns noch ein paar Schnäpsle ein
Etwas geschafft von den Eindrücken des ersten Tages fielen wir gegen 22.30 Uhr in die Betten.
St. Johannes Kirche in Tobel
Danach besichtigten wir noch in Tobel die Kirche. Fredi erzählte uns allerelei Wissenswertes über die lokale Geschichte.
Jakobuskirche in Lommis
Unsere "Herbergsvater", Fredi Stulz, zeigte uns, bevor wir zu unserem Quartier fuhren, noch die Jakobskirche in Lommis.
Kurz vor dem Tagesziel
Inzwischen war es frühsommerlich warm geworden. Gefühlt ging es viel bergauf und auf Teerstraßen. Über Märstetten, Amlikon und Affeltrangen erreichten wir Tobel gegen 18.00 Uhr. Hier holte uns unser Gastgeber mit dem Auto ab, da er etwas abseits vom Weg wohnt.
Franken Für Franken
Nachdem die Schweiz ja bekanntlich nicht zur Europäischen Währungsunion gehört, versorgen wir uns am Geldautomaten in Märstetten mit Franken. Nachdem die Schweizer Nationalbank den Kurs des Euro zum Franken auf 1:1 gesetzt hat, ist das ganze ein teurer Spaß.
Mittagsrast
Zunächst ging es weiter durch einen Wald, dann durch kleine Orte und an Wiesen und Feldern entlang. Gegen 13.00 Uhr kamen wir an einen schönen Rastplatz. Dort trafen wir auf viele andere Pilger.
Kapelle Bernrain
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| Kapelle Bernrain |
Zunächst ging es durch Kreuzlingen. Das Laufen durch eine Stadt ist eher unspektakulär. In einem kleinen Tal war ein Kreuzweg angelegt. Oben erreichten wir die Kapelle Bernrain, erbaut 1388, seit dem 15. Jh. ein Wallfahrtsort., die wir kurz besichtigten und eine Trinkpause einlegten.
Auf geht's nach Konstanz
| Abfahrt in Nürnberg |
Um 6.00 Uhr ging das Abenteuer los. Mit einem gemieteten Fiat 500 fuhren wir nach Konstanz. Das ging wesentlich schneller und günstiger als mit der Bahn. Im Bereich von Schwenningen wurde uns etwas mulmig, denn wir fuhren durch strömenden Regen und hofften, dass dieser uns nicht unbedingt bis Konstanz begleitet.
Dem war auch nicht so, in Konstanz schien die Sonne. Wir gaben das Auto ab und stiegen an der nahe gelegenen Haltestelle in den Bus zum Münster. Dort begann unsere Pilgerreise offiziell. Wir zündeten jeder eine Kerze an, danach ging es los Richtung Grenze. Kontrolliert wurden wir nicht und so betraten wir die Schweiz.
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| Grenzübergang Kreuzlingen |
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| Ankunft in Konstanz |
Sonntag, 19. April 2015
St. Jakobus/St. Ägidius in Buttendorf
Nachdem wir in knapp vier Wochen mit unserem Jakobsweg durch die Schweiz beginnen habe ich diesen sonnigen Sonntag genutzt, um ein bisschen zu "trainieren". Roland ist in Amerika, deshalb bin ich alleine losgetrabt.
Auf unserer Wanderung von Nürnberg nach Heilsbronn im März 2014 haben wir die Jakobskirche in Buttendorf aufgrund des Regens leider ausgelassen.
Dies habe ich heute zum Anlass genommen, genau dorthin zu laufen und meinen Pilgerpass mit dem noch fehlenden Stempel zu ergänzen.
Ich bin also wieder von Zuhause aus auf dem Jakobsweg über Deutenbach, Unterweihersbuch und Roßtal losgelaufen und habe nach rund 15 Kilometern gegen 13:15 Buttendorf erreicht. Dort holte ich mir den Stempel und machte eine kleine Mittagspause.
Die Kirche wird 1414 erstmal urkundlich erwähnt, stammt vermutlich aber schon aus dem 12. Jh. Seit 1430 untersteht die Kirche der Pfarrei Roßtal, der Name wechselte immer wieder zwischen den Patrozinien St. Ägidius und St. Jakobus. Leider konnte ich bislang keine Erklärung dafür finden.
Die letzte Renovierung des wirklich sehr schmucken Kirchleins fand 1993 statt.
Danach ging es wieder Richtung Heimat, allerdings nicht mehr auf dem Jakobsweg. Das wäre mir etwas zu eintönig gewesen. Von Buttendorf aus nahm ich den Weg über Stöckach, Lind, Ober- und Unterasbach und Stein und kam gegen 17 Uhr nach gesamt 32 Kilometern wieder Zuhause an.
Fazit: Eine sehr schöne Wanderung, aber zu zweit macht es mehr Spaß.
Mittwoch, 5. November 2014
Rückblick - von Roland
Als sich Wolfgang und ich vor etwa einem Jahr erstmals über den Jakobsweg
unterhielten, ahnten wir nicht im Geringsten, was die Zeit in unserem Leben so
mit sich bringt. Vorab, es war alles wie ein Traum, ein sehr schöner Traum, den
ich gerne weiter Träume.
Zeit, das ist vielleicht der wichtigste Beweggrund, warum ich mich auch den
Weg, den Camino gemacht habe.
Ein Mensch, dem nicht an jedem Tag eine
Stunde gehört, ist kein Mensch.
Diesem Zitat von Rabbi Mosche Löb ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Das Schöne
beim Pilgern ist: Es gehört mir nicht nur eine Stunde, sondern der ganze Tag.
Ich entscheide, wann ich los laufe, wie weit ich gehe, wann ich innehalte. Ich
erfahre meine Stärken, aber auch meine Grenzen. Ich nehme den Alltag deutlicher
wahr als sonst.
Welche weiteren Beweggründe habe ich? Neugier
auf andere Regionen (bislang) und Länder (ab nächstem Jahr) sowie Kontakt mit
den Menschen. Über die Menschen, die wir auf dem Camino getroffen haben, hat
Wolfgang ausführlich geschrieben. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Neugier auf Improvisation. Es läuft nicht alles wie geplant.
Natürlich hatten wir Unterkunftslisten, nur manchmal erreicht man das
Etappenziel nicht ganz. Menschen wie Angela in Mettenberg und Familie Traub in
Winterstettenstadt haben dann wunderbar geholfen.
Ausscheren aus der hektischen Überflussgesellschaft. Es geht auch langsam und einfach, ohne
Terminplaner, nur einfaches Wohnen (eine Etagendusche oder ein Wohnwagen) reichen
aus.
Spirituelle Gedanken kommen dann unterwegs ganz von selbst.
Auf einer Internetseite habe ich folgende, sehr passende Gliederung gelesen:
·
sich öffnen - offen für den neuen Pilgertag
·
wahrnehmen - offen für
spontane Erfahrungen auf dem Pilgerweg
·
reflektieren - offen für
Erinnerungen
Die Reflexionen kamen in
der Nacht. Häufig konnte ich nicht einschlafen oder wachte immer wieder auf. Es
war nicht leicht, das am Tag erlebt zu verarbeiten.
Nun bin
ich seit März in Etappen etwa 450 km gelaufen und 11 km mit der Fähre über den
Bodensee gefahren. Und der Traum meines Jakobsweges geht weiter. Nächstes Jahr im
Mai werden Wolfgang und ich von Konstanz aus starten und für 14 Tage durch die
Schweiz pilgern. Die Vorbereitungen laufen schon. Wie heißt es so schön: Nach
dem Spiel ist vor dem Nächsten. Also ULTREYA (vorwärts): Nach der Etappe ist
vor der Nächsten.
Buon
Camino
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